Zuhause ist, wo das Herz wohnt

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Gedanken

Im Herbst lebe ich seit 12 Jahren in Hamburg – und trotzdem bin ich (bis jetzt!) noch immer nicht richtig angekommen. Liegt es an der sechsspurigen Hauptstraße vor unserer Wohnung? An dem Lärm und dem Stress? Bestimmt auch. Der entscheidende Grund ist aber wohl, dass ich Hamburg nie eine wirkliche Chance gegeben habe, mein Zuhause zu werden … Ständig überlege ich, ob ich nicht doch wieder an der Nordsee leben möchte.

Mit fast 17 bin ich von Helgoland aufs Festland gezogen …
Wenn ich heute eine Doku über die Nordseeküste sehe, bin ich jedes Mal traurig und bekomme sofort Heimweh. Erzählt mir jemand, dass er/sie zurück in die Heimat zieht, dann packe ich schon fast meine Koffer. Genauso geht es mir im Urlaub auf Helgoland. Von meinem ehemaligen Kinderzimmer aus kann ich das Meer sehen – und neuerdings auch den Windpark. Ich gehe „um die Klippe“ und lasse mir einfach nur den Wind ins Gesicht und dabei den Kopf frei pusten. Dann fühle ich mich wie Fiete Anders und denke: Hier gehöre ich hin! Morgens auf dem Weg zur Arbeit die Möwen hören … nicht die Autos. Einen Bäcker, einen Blumenladen, einen Schlachter … der mich kennt. Fröhliches Hallo an jeder Ecke … kein Aneinander-Vorbeirennen.
Aber irgendwann nimmt man das alles nicht mehr wahr, es ist nichts Besonderes mehr, vielleicht hat man es sogar satt – wie ich damals. Und das soll mir nie wieder passieren. Ich möchte mich auf jeden Urlaub oder Ausflug an die Nordsee noch ewig freuen können – und es dann genießen.
Außerdem hat die Lütte in Hamburg mehr Möglichkeiten, denke ICH, was die Ausbildung und alles angeht. Sie soll nicht mit 16 oder 17 ausziehen müssen. Sie ist eine waschechte Hamburger Deern, getauft in der Elbe. Natürlich ist sie ein Küstenknirps – wie wir. Und wenn sie später einmal Surflehrerin auf Amrum werden möchte, kann sie das sehr gerne. Sie kann aber auch in Hamburg Schauspiel studieren und hinterher nach New York gehen … ICH denke, von Hamburg aus stehen ihr die Türen offen, durch die SIE hindurchgehen möchte (Ja, ich weiß … sie ist erst drei … aber so etwas bedenke ich, wenn ich einen Umzug plane …).
Hinzu kommt, dass es in Hamburg ja auch Möwen und Wasser und Fischgeruch gibt, ne? Und wenn ich mal genau überlege, dann habe ich hier sogar einen Stamm-Schlachter … 🙂
Die Nordsee ist nicht weit. Also eigentlich eine super Mischung zwischen Kultur und Natur, oder? Um mir die Nordsee hier nach Hamburg zu holen, sammeln die Lütte und ich Muscheln, Meeresglas und Treibholz. Die gesamte Wohnung soll uns an die Nordsee erinnern. Für mein aktuelles Buch-Projekt hatte ich mir letzen Sommer sogar Möwenkreischen aufgenommen.
In einem Posting (ich weiß leider nicht mehr wo) schrieb die Bloggerin, dass ein Zuhause nicht an einen einzigen, bestimmten Ort gebunden sein muss … sondern, dass es ein Gefühl ist und man somit an ganz verschiedenen Orten zu Hause sein kann.
Also Hamburg: Ab heute bist auch du mein Zuhause – jedenfalls bis zu der nächsten Nordsee-Doku 😉

4 Kommentare

  1. Ja, das mit dem Heimweh kann ich nachvollziehen. Mein Herz hängt auch an meiner Heimat und ich bin immer etwas hin- und hergerissen. Aber zwei Orte zu haben hat auch etwas für sich, finde ich.

  2. Anonym sagt

    Liebe Dorthe,
    ich wohne auch in Hamburg. Und ich habe hier einen Bäcker, eine Blumenhändlerin und einen Schlachter, die mich kennen. Die mich grüßen, die einen Klönschnack halten. Die fragen, warum der Hund einen Verband trägt und wo ich mir die Sonnenbräune geholt habe. Das gleiche gilt für mehrere Café-Besitzerinnen, die Frau im Spielzeugladen, den Weinhändler, die Gemüsefrau und ihre zwei Söhne und den Friseur (bei dem ich noch nie war, der aber trotzdem grüßt). Bei Budni kennt man mich auch. Will sagen: Auch in einer Großstadt ist dörfliches Leben möglich. Vielleicht wohnst du in der falschen Gegend? Wenn man eine bezahlbare Miete findet, kann ich die Region rund um das Südende des Eppendorfer Weges sehr empfehlen.

    Oder du bist eine stille Insulanerin, die erst nach 15 Jahren auftaut, dann aber so richtig ankommt? Dann wirst du bald bestimmt anfangen, in deinem Dorf Alltagskontakte zu knüpfen. Wart mal ab! Hamburg kann sehr warmherzig sein. Für mich das schönste Zuhause, auch wenn das Meer fast 2 Stunden weg ist!

    Liebe Grüße,
    Helen

    • Liebe Helen,
      das liest sich wirklich schön und macht Mut 🙂
      Ja, es lag bestimmt auch daran, dass ich immer überlegt habe, ob es an der Küste nicht schöner ist. Solche Gedanken haben ich auch in anderen Lebensbereichen – und es kann so natürlich passieren, dass man die schönen Dinge gar nicht bemerkt, die um einen herum passieren.
      Seit ich Hamburg nun auch eine Chance gegeben habe, klappt es schon viel besser 🙂
      Danke für Deinen Beitrag!
      LG Dorthe

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