Ein Heuler auf Helgoland

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Buch / Gedanken

In meinem Nordsee-Lese-Mitmach-Buch erzähle ich u.a. die Geschichte von Eddy. Einem Seehund-Baby, das am Strand entdeckt wird.

Und genau das habe ich nun in unserem Silvester-Urlaub auf Helgoland erlebt. Der Wind pustete so kräftig, dass (mal wieder) kein Schiff fuhr. Zwei Tage lang. Mein Mann und ich wollten trotz Sturm und Regen an den Strand, einfach mal ohne die Lütte die Nase in den Wind halten und Sachen suchen (ihr war der Wind eh zu stark, sie wäre weggeflogen). Was wir fanden, war ein kleiner Heuler. Ganz allein lag er unterhalb der Dünen im Sand. Gerade kam ein Hund um die Ecke gerast, direkt auf den Heuler zu. Ich bin eher zurückhaltend und schüchtern, aber als ich gesehen habe, dass die Besitzer nichts unternehmen, bin auch ich losgerast. Für mich sah es so aus, als würde der Hund das Seehund-Baby angreifen. Ich habe stattdessen den Hundebesitzer angegriffen … der mir ganz ruhig erzählte, wer er war. Nämlich der Assistent des Seehundjägers Rolf (Jäger ist eigentlich das falsche Wort, Aufpasser oder Hüter würde dieser Tätigkeit eher entsprechen). Rolf war krank, und nachdem bereits mehrere Meldungen über den Heuler eingegangen waren, hatten sich der Assistent und seine Frau samt Hütehund auf den Weg zum Strand gemacht. Sie wollten nachsehen, wie es dem Seehund-Baby ging, ob es noch in der Lage war, selbstständig zurück ins Meer zu robben. Und das war es! Der Hund hatte es angetrieben und dadurch geholfen. Wie bei einer Schafherde.

Schon der letzte Sturm hatte einen Heuler an den Strand gespült. Der musste allerdings mit dem Schiff nach Büsum gebracht werden, wo bereits ein Transporter der Seehundstation Friedrichskoog auf ihn wartete. Das alles erzählte mir der Mann, obwohl ich ihn so angeschrien hatte. Dass ich gebürtige Helgoländerin bin und Rolf gut kenne, habe ich dann lieber nicht erzählt, dafür meine Kapuze noch weiter ins Gesicht gezogen …

Illustration: Gaby Schech, aus: „Wasser, Sand und steife Brise – Ein Nordsee-Lese-Mitmach-Buch“

2 Kommentare

  1. Liebe Dorthe, was für eine schöne Geschichte! Und dass Hunde auch Robbenbabies zurück ins Meer treiben, hätte ich auch nicht gewusst. Liebe Grüße, Uta

    • Liebe Uta,
      sehr gut, so hast du auch mal etwas aus einem meiner Posts gelernt – nicht nur ich von Deinen 🙂
      Liebe Grüße, Dorthe

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