Im Moment // Schreibzeit im Mai

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Gedanken

Nach Short Storys im letzten Jahr hat sich Bine für 2015 die Schreibzeit ausgedacht. Short Stories hatte ich leider nur einmal geschafft. Ich habe bzw. nehme mir einfach zu wenig Schreibzeit. Dabei ist dieses „Freie-Schreiben“ so wichtig … denn, nur Übung macht den Meister, ne? Ich fühlte mich also sofort von Bines Idee angesprochen. Die Mai-Schreibzeit hat das Thema Im Moment. Durch das Testen von Sonjas Zeitmanagement-Kurs neulich hatte ich eh erfahren, wie wichtig es ist, den Moment so richtig wahrzunehmen. Was rieche ich gerade? Wie schmeckt etwas? Fühlt sich das gut oder schlecht an? Die Sinne wahrnehmen.

Daher kommt hier nun mein Beitrag zum Thema …

… Im Moment …

denke ich … viel zu viel. Wie immer eigentlich. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie mit Mann und Sohn aus Hamburg wegzieht. Und ZACK! Ich überlege schon wieder, ob ich nicht auch lieber an einem ruhigeren Ort leben möchte. // darüber nach, ob Ergo und Logo nun sinnvoll für die Lütte sind oder nicht … braucht sie nun diese mega-teuren sensomotorischen Einlagen … soll sie nicht lieber nur gaaaanz viel spielen, anstatt ständig zu irgendwelchen, vielleicht unnötigen Untersuchungen und Fördermaßnahmen oder Therapien zu gehen? // darüber nach, ob ich die neuen Aufgaben, die mich ab morgen auf der Arbeit erwarten, gewuppt bekomme.

mag ich … dass der Mann in der Nähe arbeitet und somit zeitig zu Hause ist. // die wilden Blümchen auf der Wiese und im Schrebergarten und die Sträuße daraus. // das super-zarte make a wish – Armband mit dem winzigen Papierschiffchen als Anhänger, das ich heute von der Lütten und dem Papa geschenkt bekommen habe. // den Blick aus unserem Schlafzimmerfenster.

… mag ich nicht … dass ich morgens friere und mittags schwitze. // dass wir so viele Termine haben. // dass ich den ganzen Tag müde bin und abends vor Erschöpfung eigentlich mit der Lütten ins Bett gehen müsste. // den Blick aus unserem Wohnzimmerfenster und den Lärm, der damit zusammenhängt.

… fühle ich … abwechselnd gar nichts oder ganz viel. Alles ist dabei. Wie in den Wechseljahren … oder der Pubertät. Das trifft es bei mir eher. Ich fühle mich oft wie 16. Eine Arbeitskollegin hat vor ein paar Jahren mal zu mir gesagt: „Dorthe, ich möchte auf keinen Fall mit dir tauschen und noch mal Anfang 20 sein. Mit 30 fühlte ich mich erst richtig gut.“ Im Herbst werde nun ich 30 … mal sehen … Zwischendurch fühlt sich aber auch heute schon einfach mal alles richtig an.

… esse ich … zu viel Naschies und Knabberkram. Den Tag über esse ich recht wenig … ab ungefähr 17:00 kriege ich dann einen mega Kohldampf. Der Typ aus der Snickers-Werbung ist dann ein Witz gegen mich. Abends, wenn die Lütte schläft, verschlinge ich gerne Eis, Milchbubis, Schoko-und-Keks-Schokolade oder eine XL-Paprika-Chips-Tüte.

…. trinke ich … manchmal Rote Beete-Saft, weil ich so unglaublich erledigt bin und schon mal was gegen meinen ständigen Eisenmangel tun muss möchte, auch wenn die Blutergebnisse noch nicht da sind. // Wasser. Immer. Ohne Sprudel. Ich hätte auch Lust auf etwas anderes, kann mich aber oft nicht entscheiden und kaufe dann doch nichts anderes ein.

… rieche ich … das Seeprinzessin-Shampoo der Lütten, das könnte ich essen. // die Zitronenmelisse in unserem Schrebergarten … davon kriege ich kurzzeitig richtig gute Laune. // fast das Meer, das schon auf uns wartet.

… höre ich … im Halbschlaf schon das fröhlichfrühlingsfrische Geschnatter der Vögel. // vor der Tür den Straßenlärm, der mir jeden Tag lauter vorkommt. // „NEIN!!!!“. Oder: „BIIIITTEEE, MAAAMAAA!“. Oder „Ich zieh aus! Ich will nicht mehr bei euch wohnen!“ // das Lied „Fliegen“ von Matthias Schweighöfer … er ist vielleicht nicht der beste Sänger, aber es passt grad so unglaublich dolle zu uns, dass mein Mann es nicht nur nicht hören mag, weil er den Matthias ein bisschen doof findet … sondern, weil er dann sicher weinen müsste (glaube ich wenigstens…) // die N-Joy Morningshow. Schon immer. Ich liebe die zwei völlig quatschigen Moderatoren (zwischendurch wurden die zwei mal ausgetauscht … gut, dass sie wieder da sind).

… sehe ich … leider häufiger den Regen als den Regenbogen. // jeden Dienstag Two and a half men. Diese letzte Staffel darf niiiieee zu Ende gehen!

… lese ich … zu viele tolle Blogs und zu wenig Bücher. // der Lütten noch immer am liebsten Tschüss, kleines Muffelmonster vor. Oder Prinzessin Isabella (leider will sie meist das doofe Oster-Puzzle-Buch…)

… trage ich … irgendwie immer eine Jeans, Sneakers, ein Tuch und meinen grünen Sommer-Parka.

… brauche ich … dringend einen professionellen Stylisten, der mal in meinen Schrank guckt, das meiste (wahrscheinlich) rausschmeißt, mit mir Klamotten shoppt  (die mir richtig gut passen und stehen) und der mir ne neue Frisur empfiehlt. // dringend mal eine Fußpflege. // eine Pause … und Schlaf … oder Eisen, wie mein Mann meint.

… nervt mich … dass ich so viel nachdenke, überlege, vergleiche, plane … anstatt endlich einfach zu machen!

… will ich … dass dieses Chaos hier zu Hause und in meinem Kopf aufhört, wir weniger Stress und Sorgen haben, wir wieder mehr lachen als weinen. // mehr schreiben, viel, viel mehr … aber auch neue Sachen für die Lütte nähen. // wieder mehr an meinen Wunsch aus der Silvesternacht 2013/14 denken und daran arbeiten.

… mache ich … zu viel Kram, zu viel auf einmal … zu wenig das, was so richtig wirklich wichtig ist. Anstatt an den zwei Tagen, an denen ich von zu Hause aus arbeite, wirklich am Schreibtisch zu sitzen, renne ich durch die Einkaufsstraße und erledige irgendwelche Dinge. Oder ich putze und räume auf. Oder ich sitze beim Arzt. Oder ich bleibe beim Blogslesen hängen …

… vermisse ich … nach Hause zu kommen und einfach nichts machen zu müssen. Nur aufs Sofa und was Leckeres, Fettiges essen, fernsehen und ins Bett (und am nächsten Tag ausschlafen). // die Zeit, als die Lütte gerade das Laufen lernte und sie und ich einfach nur mit ihrem kleinen Holz-Puppenwagen und den Lederpuschen an ihren Fußen hier durch eine der Schrebergarten-Siedlungen spaziert sind. Ganz langsam. Zeit für jeden Stein. Zeit für jedes Blatt. Zeit für alles.

… bedauere ich … dass ich kein Abi gemacht habe, obwohl ich es locker gekonnt hätte. // dass ich auf so viele Dinge verzichtet habe … aus Angst. Wobei jede Entscheidung, die wir treffen, ja unseren nächsten Weg bestimmt. Hätte ich nicht Foto-/Medienlaborantin gelernt, wäre ich wohl keine Telecine-Assistentin in der Postproduktion geworden, hätte ich vielleicht nicht das Schreiben, die Lust aufs Geschichtenerzählen wiederentdeckt. Trotzdem hätte ich nun im Nachhinein gern diese „Studenten-Zeit“ erlebt, mit allem, was so fernsehkinofilmtypisch dazu gehört.

… ärgere ich mich … oft über mich selbst. // dass mir die schicken türkisfarbenen Espandrillos nicht passen, die ich bestellt hatte … obwohl die ganz bestimmt vom Stylisten (s.o.) abgesegnet worden wären. // dass mir der eine Rock zu lang ist und es den anderen nur noch in XS oder XL gibt. // dass es die Indianer-Leggings und das T-Shirt mit dem Pfeil und dem Wort „Rebel“ drauf nicht mehr in der Größe der Lütten gibt (wobei das mit den Klamotten vielleicht auch ganz gut ist, denn die wären nicht wirklich günstig gewesen.)

… freue ich mich … auf ein paar Tage „Zuhause“, auf Helgoland. // auf die Zirkusvorstellung der Lütten im KiGa. // darauf, meine dünne, flatterige Sommerhose anzuziehen (jetzt friere ich damit noch). // über mein neues Sommerkleid aus kuschelweichem Jersey, mit kleinen Ankern drauf (Ha! Wenn schon nicht die Schuhe und der Rock …). // darauf, meinen Tag neu zu planen und zu organisieren und das alles in meinen Wochenkalender mit Notizen einzutragen. // wenn der Papa die Lütte freitags aus dem KiGa abholt (weil er in der Nähe arbeitet…) und ich den beiden die Tür aufmache. // wenn die Lütte denkt, dass ich schlafe und mir ganz vorsichtig einen Kuss auf die Stirn gibt … so wie ich das bei ihr immer mache.

… träume ich … von einer neuen Gartenlaube ohne Mäuse in den Wänden. // von einer gemütlichen und bezahlbaren Wohnung hier im Viertel … mit Innenhof, in dem es einen kleinen Spielbereich für die Kinder und Gartenstühle für die Eltern gibt. // so sehr davon, dass die Literaturagentur sich bitte, bitte, bitte doch noch meldet (auch, wenn die drei Monate am 12. um sind) … und mich mit meinem Buchprojekt aufnimmt, so wie es Tamara Steg damals doch auch getan hatte.

Puh … das war jetzt ganz schön viel, ganz schön „offen“ … aber es war echt spannend, sich darüber Gedanken zu machen … und es fühlt sich richtig an, das alles mit euch zu teilen … wie gehts euch Im Moment?

5 Kommentare

  1. Ein schöner Post und tolle Gedanken, wie ich finde.. ich kann immer leider gar nicht so kurz all meine Gedanken zu den Momentaufnahmen zusammenfassen, weshalb meine Momente auch alle fast nur von einzelnen Punkten handeln.. 😀
    Eine schöne Restwoche wünsche ich Dir!

    • Liebe Nadja,
      danke sehr! Ich fand dieses Motto gerade deshalb auch so toll, weil man dann wirklich mal in den Moment horcht ne? Danke für dein Feedback 🙂
      Schöne Pfingsten und viele Grüße,
      Dorthe

    • Gerne! 🙂 Ja das stimmt.. ich finde diese Schreibzeiten auch immer so schön um neue Anregungen fürs schreiben zu bekommen..
      Dankeschön! 🙂

    • Liebe Bine,
      sehr gerne 🙂 Mal sehen, vielleicht klappt es ja bei der Juni-Schreibzeit wieder 🙂
      Liebe Grüße,
      Dorthe

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