Bloggen und Alltag // Schreibzeit im Juli

Kommentare 6
Gedanken / Hinter den Kulissen / Schreiben

Schon oft habe ich andere Blogger oder Autoren angemailt und gefragt, wie sie das alles so machen. Wie ihr Alltag mit Kindern, Haushalt, Arbeit und dem ganzen Kram aussieht. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Ich liebe Postings und ganz besonders Posting-Reihen, bei denen andere von sich erzählen. Mein Mann meint immer, ich hätte am liebsten eine Bedienungsanleitung für mein Leben. Da ist nicht ganz falsch … aber sich informieren und austauschen doch auch nicht, oder? Bei mir sah es (und sieht es hin und wieder noch immer) jedenfalls wenig strukturiert und viel gestresst aus. Aus diesem Grund hatte ich auch bei Sonjas Zeitmanagement-Kurs mitgemacht. Um meinen Alltag zu entrümpeln und neu zu sortieren.
Außerdem hatte ich bereits einen kleinen Beitrag über Schreiben als Job im Kopf.
Bines Juli-Schreibzeit-Thema kommt da mal wieder genau richtig …

Mein Blog ist nicht das „klassische“ Blog – wobei: Was ist das schon? Woran wird das festgemacht? Ich meine mit „nicht klassisch“, dass es meine Autoren-Homepage ist. Mit Infos über meine Bücher, Lesungen etc. Aber genauso oder noch viel mehr ist das Blog auch einfach mein Platz zum freien Schreiben und Gedanken teilen (warum und wann ich anfing zu bloggen und worüber, das könnt ihr hier gern ausführlicher nachlesen).
Dieser Beitrag handelt somit nicht direkt vom Bloggen und Alltag – eher generell vom Schreiben und Alltag.

Seit letztem Herbst arbeite ich drei Vormittage pro Woche außer Haus, die anderen zwei Tage sind seitdem für die Arbeit am eigenen Schreibtisch reserviert. Das Schreiben, also das Arbeiten an meinen eigenen Projekten, wollte ich für die Festanstellung nicht ganz aufgeben. Das war mein Wunsch und das wurde genau so mit meinem Mann abgesprochen. Trotzdem kommt immer wieder: „Du hast ja heute frei … kannst du bitte das Paket abholen?“ Oder: „Wieso machst du das nicht am Donnerstag, da hast du doch eh nix zu tun?“ Und so wie mein Mann, sehen das leider auch viele andere: „Cool, dann hast du ja nur eine 3-Tage-Woche.“ Oder: „Wieso bist du so im Stress? Du hast doch zwei Tage frei?“ Ja. Stimmt schon. Irgendwie. Das ist ein gewisser Luxus. Den ich mir aber nicht gönne, um mehr freie Zeit für Botengänge oder Saubermachen zu haben, sondern um an meinen Projekten zu ARBEITEN! Arbeit ist für viele natürlich mit Geld verbunden. Und da ich (meist) keine Schreibaufträge abarbeite und auch (noch) keinen Vertrag für die neuen Projekte habe (also auch keinen Vorschuss bekomme), gilt das wohl nicht als Arbeit.
Umso genialer finde ich den Unitymedia TV-Spot, in dem Christian Ulmen sagt:

„Sich Geschichten auszudenken, Figuren zu entwicklen, das ist ja in dem Sinne keine Arbeit …“

Wie passend!

Bis vor Kurzem habe ich tatsächlich die Arzttermine etc. immer in diese zwei Tage gepackt. Machte Besorgungen oder putzte oder hing Wäsche auf. Nur, so komme ich mit dem Schreiben nicht weiter. Ich musste also anfangen, konsequent zu sein und mir sagen: Du bist zwar zu Hause, planst aber so, als wärest du im Büro. Wäsche aufhängen muss dann halt bis mittags nach dem KiGa warten … das Bad wird am Wochenende (oder manchmal abends) geputzt … das Paket nachmittags mit der Lütten zusammen abgeholt … denn: Ich habe am Vormittag nur gute vier Stunden Zeit. Auch das war so gewollt. Die Lütte sollte lediglich fünf Stunden in den KiGa gehen. Die Nachmittage gehören ihr. Sollten sie wenigstens. Das lief eine ganze Weile wegen diversen Terminen, Haushalt etc. leider ziemlich aus dem Ruder. Aber seit dem Zeitmanagement-Kurs plane und strukturiere ich etwas anders und es klappt wieder besser. Und: Andere halten Katzen als Haustiere, wir haben halt Wollmäuse …

An den zwei Tagen, an denen ich also frei habe, arbeite ich an neuen Projekten. Und dann blogge ich meistens auch. Das ist tatsächlich so – siehe Wochentag über den Postings 🙂 Zum einen, weil ich dann spontan über das aktuelle Vorankommen meiner Projekte oder kleine Hintergrund-Infos dazu blogge. Zum anderen, weil ich oft nur dann wirklich die Zeit und Muße habe, mich an den Computer zu setzen.

Abends kann ich nur schlecht schreiben … dann lösche ich am nächsten Tag alles wieder. Und manchmal sogar Zeilen oder Seiten, die eigentlich schon fertig waren … Daher nähe ich abends lieber, bastel am Fotoalbum der Lütten weiter oder lege Wäsche zusammen. Oder ich lese einfach nur Blogs und hänge erschöpft vorm Fernseher rum. Nicht jeder Abend muss mit einer (freiwilligen) Aufgabe gefüllt sein.

Postings, die nicht direkt mit einem wachsenden Buch zutun haben, bereite ich vor. Das heißt, ich mache mir (wie beim Schreiben von Büchern) zwischendurch auf diversen Schmierzetteln Notizen, knipse fix die Frösche im Teich oder -wie ganz aktuell- erschaffe abends ein ganzes Theater mit Bühnenbild und Darstellern (das kann ich euch hoffentlich Ende nächster Woche zeigen :-)). Den Weg in den Computer finden all diese Dinge aber meist an den zwei freien Tagen. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Natürlich kommt es auch vor, dass ich beim Schreiben einen Knoten nicht lösen kann, ich einfach nicht weiter weiß, mich nicht mehr konzentrieren kann … dann setzte ich mich -trotz neuer selbst angeordneter Strenge- auch mal an die Nähmaschine oder wische Staub … oder, pssst: gucke, ob es neue Blogbeiträge zu lesen gibt …
Und manchmal, ganz selten, bekommen wir Besuch von Oma und Opa von Helgoland. Dann möchte ich vorher noch ein klitzekleines bisschen putzen. In diesem Sinne: Ich bin dann mal im Bad – hab ja schließlich frei …

6 Kommentare

  1. Liebe Dorthe, ich fand und finde es auch immer schwierig, mich als freie Schreiberin abzugrenzen von Erwartungen des Haushalts und der anderen Menschen, die in ihm wohnen. Lass dich nicht aus dem Konzept bringen und verteidige deine Wortarbeit – egal, ob sie schon honoriert ist oder nicht. Kennst du das Buch "Work is not a job"? Ich habe bisher nur den Anfang gelesen, aber es macht Kreativen wie uns richtig Mut. Süßes Foto! Liebe Grüße, Uta

    • Liebe Uta,
      Danke fürs Mutmachen und den Buch-Tipp. Kannte ich nicht, werde ich mir aber auf jeden Fall merken 🙂
      Bis demnächst!
      Liebe Grüße,
      Dorthe

  2. Liebe Dorthe,

    danke, Du hast das mit der "freien" Arbeit gut auf den Punkt gebracht. Und ja, Bloggen ist auch Arbeit!

    Liebe Grüße und lass Dich nicht beirren

    Küstenmami

  3. Oh, das kenne ich. Bis in meinem Freundeskreis alle begriffen haben, dass ich von zu Hause ARBEITE und nicht zu Hause BIN, um dieses und jenes mal eben zu machen… das hat gedauert. Ich musste mich selbst disziplinieren, aber auch mein Umfeld erziehen.
    Gerade, wenn man den Luxus hat, selbst Zeit einteilen zu dürfen, muss man dies hoch professionell tun!
    Ich wünsche Dir damit weiterhin viel Glück und bedanke mich, dass Du bei #Schreibzeit mitgemacht hast!
    LG Bine

    • Liebe Bine,
      das beruhigt mich sehr, dass es scheinbar allen Von-Zu-Hause-Aus-Arbeitenden am Anfang so ging 🙂
      Danke dir fürs Kommentieren!
      Liebe Grüße,
      Dorthe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.