Das riecht nach Weihnachten!

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Hinter den Kulissen / Schreiben

Was? Wie bitte? Wieso Weihnachten?

Nein! Keine Sorge … ich fange jetzt im Juli nicht mit dem Duft von Tannenzweigen oder Plätzchen an … aber mit dem Duft von Schnee. Hah!

Neulich bekam mein Mann auf seiner Baustelle Besuch vom Chef und der Praktikantin. Und die meinte direkt: „Hier riecht das irgendwie nach Weihnachten.“ Mein Mann und sein Chef zusammen: „Hä? Wie riecht denn Weihnachten?“ – „Nach Schnee.“ Nein … mein Mann hatte kein kleines Tütchen mit weißem Pulver in der Tasche  …

Als mein Mann mir abends von dieser kurzen Unterhaltung erzählte, überlegte ich sofort, wie Weihnachten für mich riecht … und dachte daran, wie wichtig genaue Beschreibungen für Autoren sind. Der Leser möchte alles fühlen, riechen und hören können, was der Held oder die Heldin erlebt.

Da wir nun Mitte Juli haben und nicht Dezember, möchte ich euch beschreiben, welche Düfte und Geräusche ich mit meinen Sommerferien verbinde. Ein Teil der Ferien haben wir immer bei meinen Großeltern in Hamburg verbracht. Im Schrebergarten. Mit richtigem Strom, richtigem Klo, richtiger Dusche, und richtigen Betten. So richtig, wie es im Schrebergarten halt geht – davon kann unser Schrebergarten nur träumen …

Die anderen aus meiner Klasse sind immer weit weg in den Urlaub gefahren. Damals fand ich das schon ungerecht. Meine Mama hat mir dann erklärt, dass mein Papa als Kapitän so oft so weit weg ist, dass er im Urlaub einfach nur zu Hause sein möchte … oder wenigstens in der Nähe.

Wenn ich heute an die Zeit bei Oma und Opa im Schrebergarten denke, dann war das der tollste Urlaub überhaupt.

Der begann mit dem Geruch von Auto und Bahnhofs-Parkdeck. Mein Opa holte uns vier immer mit seinem kleinen Auto vom Zug ab. Der Weg bis zum Garten dauerte vielleicht zwanzig Minuten – in denen wir Kinder mit Plastik-Tüten vor dem Gesicht neben Mama saßen, während Papa auf dem Beifahrersitz vor Wut über unsere Kotzerei fast platzte.

Im Garten roch es nach feuchtem Holz und nassem Gras. Nach Himbeeren und Johannisbeeren. In der Früh nach Guten-Morgen-Kaffee und Brötchen. Abends nach zündelnder Grillkohle. Und ein bisschen roch es nach der Seife meiner Oma, die wir noch heute, viele, viele Jahre später von ihr zu Weihnachten geschenkt bekommen …

Das schönste und häufigste Geräusch war das Klingeln der Gartenpforten-Glocke. Ohne diese Glocke hätte jeder unbemerkt den Garten und die Laube betreten – und auch flink wieder verlassen können. Das Klingeln kündigte also jeden Morgen Oma und Opa an. Die schliefen in ihrer Wohnung und kamen dann jeden Morgen zu uns „aufs Land“. Manchmal haben meine Schwester und ich auch schon an der Pforte gewartet – davon erzählt meine sehr alte Oma noch heute.

Genauso besonders war das Läuten einer größeren, volleren Glocke: die des Eiswagens! Der fuhr doch tatsächlich bis an den Parkplatz der Schrebergarten-Siedlung heran. Das werde ich in unserem Verein auf jeden Fall auch einmal ansprechen…

Ein anderes Geräusch, an das ich mich erinnere, ist das Rascheln dieses Franzen-Perlen-Holz-Vorhangs, der am Eingang zur Laube hing. Wie habe ich es geliebt, da hindurchzulaufen und dabei die einzelnen „Fäden“ über meinen Kopf rutschen zu lassen …

So riecht und klingt also ein Teil meiner Sommerferien-Erinnerungen – wie riecht, klingt oder schmeckt euer Sommer?

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