Und wenn sie schreibt, ist sie woanders …

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Audio / Hinter den Kulissen / Schreiben

Wie ihr vielleicht noch wisst, gestalte ich mir für die jeweilige Geschichte, an der ich gerade arbeite, eine Projektwand mit Fotos, Zitaten, Andenken … das kann alles Mögliche sein. Auf meinem Schreibtisch stehen oder liegen verschiedene Gegenstände, und ich hole mir auch gern passende Geräusche nach Hause – wie zum Beispiel das Möwenkreischen von damals.

Für das aktuelle Projekt habe ich mir zum ersten Mal einen Soundtrack angelegt. Mit Liedern, die nicht unbedingt inhaltlich, also Wort für Wort, zu meiner Geschichte passen, aber auf jeden Fall vom Thema und der Stimmung her.

Während der Schreibphase habe ich, wann immer es ging, Kopfhörer aufgesetzt und mich in die Geschichte hineinkatapultiert. Natürlich beim Schreiben selbst, aber auch beim Wäscheaufhängen oder Putzen. Und auch, wenn ich grad so richtig feststeckte (was leider häufiger vorkam), und mich abends lieber an die Nähmaschine gesetzt habe, lief die Musik … und manchmal löste sich dann der Knoten …

Die Playlist ist während der Arbeit am Projekt immer weiter gewachsen. Ziemlich zum Ende hin habe ich „Wenn sie tanzt“ entdeckt und hinzugefügt. Die eigentliche Aussage mit den Kindern und so hatte mit der Geschichte absolut nichts zu tun. Und mit mir auch nicht. Es ging eher um den Refrain:

Sie setzt die Kopfhörer auf,
macht die Musik ganz laut.
Und wenn sie tanzt,
ist sie woanders …

Ganz genau so geht es mir nämlich beim Schreiben. Dann bin ich woanders. Und wer anders. Ich erlebe die Dinge, die meine Protagonisten erleben, ich bin an anderen Orten …

Dadurch, dass ich eher zurückhaltend bin, habe ich mir die eine oder andere Erfahrung „verbaut“. Ich hatte einfach Angst, Dinge zu tun. Auch, wenn ich eigentlich Lust darauf gehabt hätte. Manchmal bereue ich das. Zu gern würde ich es sehen, wie „Der Lehrer“ Stefan Vollmer:

Ich bereue lieber die Dinge, die ich gemacht habe,
als die, die ich nicht gemacht habe.

Tja, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber ich kann ab jetzt, für die Zukunft, daran arbeiten. Und wenn das im echten Leben mal wieder etwas schwieriger wird, tauche ich ab in die Welt, die gerade in einem Kopf, auf Papier oder im Computer entsteht.

Aber mal abgesehen von Ängsten und ausbremsenden Gedanken, macht es so oder so riesigen Spaß, alles und jeder sein zu können … von Geschichte zu Geschichte … ich liebe das!

Eines Mittags kam ich übrigens mit der trockenen Wäsche aus dem Keller wieder hoch, nahm die Kopfhörer ab, ließ die Musik aber weiterlaufen – da sagt die Lütte zu mir: Mama, du bist ja ganz versoffen in das Lied!

Ja, so kann man das auch sehen …

Ein schönes Wochenende für euch!

2 Kommentare

  1. Ohhh… das Möwenkreischen lasse ich heute den ganzen Tag laufen. Das ist toll und katapultiert mich gleich an die See 🙂
    Mit Kopfhörern habe ich noch nie geschrieben oder gearbeitet.
    Damit käme ich mir von der Welt zu ausgeschlossen vor. Aber Musik läuft dennoch… ganz leise 🙂
    Liebe Grüße Bine

    • Dorthe sagt

      Liebe Bine,
      ja genau, ich bin dann regelrecht von der Außenwelt abgeschottet … das brauche ich beim Schreiben manchmal, um in „meine“ Welt zu kommen 🙂
      Und ganz lieben Dank für deinen Kommentar :-)))
      Liebe Grüße,
      Dorthe

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